Der Sexualberater Matt Stämpfli hielt an einem Abend für die Teilnehmer von «MenschMänner!» einen Vortrag mit dem Titel «Die Kunst gelebter Sexualität – Lust im Wandel» und stand Rede und Antwort.
Er versteht es, interessant und unterhaltsam, aber genauso offen, direkt und deutlich über Sexualität zu sprechen. Ohne derbe Sprache oder peinliche Momente entstehen zu lassen, nennt er die Dinge beim Namen.
Denn gerade wenn ausschliesslich Männer anwesend sind, kippt es ja leicht vom betretenen Schweigen ins Grossspurige.
Besonders interessant ist, dass Stämpfli die Sexualität bei der eigenen Körperwahrnehmung beginnen lässt und dazu direkt eine konkrete Erfahrung vermittelt.
Das war schon mal überraschend. Seine Definition von Sexualität ist wohltuend breit gefasst. Schliesslich kann Lust im besten Fall im Alltag immer wieder zu spüren sein – oder etwa nicht mehr?
Zu zweit für beide befriedigenden Sex zu erleben sei nicht selbstverständlich und auch kein unbedingt anzustrebendes Ziel. Denn Druck und Stress seien die Gegner von Lust und Genuss, von Erektion sowieso.
Entspannung und Wohlfühlen müssen viele heutzutage zuerst wieder lernen, um die eigene Lust verspüren zu können. Entsprechend gross ist der Bedarf nach stimulierenden Substanzen und Pornografie.
Matt Stämpfli berichtet auch über die Grenzen zur Sucht und zu krankhaften Entwicklungen. Für die gemeinsame Sexualität stellt er in den Raum: Erlaubt ist, was beiden gefällt und einvernehmlich ist.
Überhaupt nimmt er Druck weg vom Thema und muntert uns auf zum Zulassen und Loslassen, auch zum abwechslungsweise Einseitigen, also dass nicht immer beide gleichzeitig im Fokus stehen, und vor allem zum «darüber reden».
Wie soll denn der Partner wissen, was mir gefällt und was nicht, wenn ich es selber nicht weiss oder wenn ich es nicht sagen kann? Entsprechend lernt mancher Mensch vieles beim Sexualberater, zum Beispiel auch das «darüber reden».
Ich spreche meine beste Empfehlung für Matt Stämpfli aus – für Vorträge für Interessierte sowie für die Beratung von Einzelpersonen und Paaren mit Entwicklungsbedarf oder ernsthaften Schwierigkeiten in der Sexualität.
Jan Hartmann, Koordinator MenschMänner! Biel